Lüften

Tipps zum Lüften:

Wann ist genug gelüftet? Reicht die normale Fensterfugen-Lüftung? Wann Stoßlüftung?

Jeder von uns Menschen atmet 3-4% CO2 (Kohlendioxid) aus und verbraucht den Sauerstoff aus der Raum-Luft. Mit einem Abgastester für die Heizung kann man diese 3-4% CO2 von unsrer Ausatmungsluft messen. Um den CO2 Gehalt in der Raumluft zu messen reicht ein einfacher CO2 Messer für zirka 60 €. Siehe Stiftung Warentest vom 22.12.2021.

Wegen dieser CO2 Abgabe von uns Menschen und den Sauerstoffverbrauch brauchen wir frische Außenluft in den Raum. Ob es reicht durch die Fugen der Fenster und Stoßlüftung für eine gute Luftqualität, dazu ist der CO2 Messer. In normalen Gebäuden wird durch die Undichtigkeit von Fenster und Türen das Raumluftvolumen 1,5 mal pro Stunde erneuert. In Altbauten ist es die doppelte Luftmenge, die erneuert wird. Normal braucht ein Mensch im Raum ca. 20 m³ pro Stunde neue Aussenluft. Im Winter reicht das Stoßlüften für 4 bis 5 Minuten zur Lufterneuerung im Raum. Bei wärmeren Temperaturen braucht man 15 bis 25 Minuten. Die einfachste Kontrolle ist ein CO2 Messer. An dem CO2 Messer erkennt man, ob die Raumluft ausreichend erneuert wurde. Der CO2 Gehalt in der Raumluft wird in ppm gemessen. Man erkennt so die Luftqualität im Raum. Ein ppm ist ein Partikel CO2 pro 1 Million Partikel (parts per Million). (Oder zum besseren Verständnis, wie ein Preuße pro 1 Million Münchner). Sehr gute Luft ist im Raum bis 1000 ppm CO2, die Pettenkofer-Zahl. Pettenkofer war ein Mediziner. Nach ihm wurden die 1000 ppm CO2 benannt. Maximal sollten es 2000 ppm CO2 im Raum sein. Es ist der maximale Wert für Schulräume und öffentliche Gebäude. Dort sind Lüftungsanlagen Pflicht, aber oft abgeschaltet. Über diesen 2000 ppm CO2 Wert entstehen Kopfschmerzen und Übelkeit. Die maximale Arbeitskonzentration für eine kurze Zeit, der MAK-Wert, ist 5000 ppm CO2. Er ist für Schweißanlagen in der Fertigung gedacht und deren notwendige Absaugung an der Schweißstelle.

In der Außenluft, der Erdatmosphäre sind es zur Zeit zirka 400 ppm CO2. Vor dem industriellen Zeitalter waren es 200 ppm CO2 in der Außenluft. 400 ppm sind 0,04 % CO2 in der Luft und ein Spurengas, aber für uns Menschen ist es nicht unwichtig. Siehe oben ab 2000 ppm CO2 im Raum Kopfschmerzen. Für die Pflanzen und Bäume ist es Nahrung. Sie produzieren Sauerstoff aus dem CO2. Das CO2 wird durch die Photosynthese der Bäume und Pflanzen in Kohlenstoff und Sauerstoff aufgespalten. Die Forschung hat es bisher nicht geschafft die Photosynthese der Natur nachzubauen. Bäume pflanzen ist so am besten um CO2 zu binden und anschließend Gebäude daraus bauen um es zu speichern.

Am Heizgerät misst der Schornsteinfeger nicht nur den CO2 Gehalt und Sauerstoff O2 Gehalt im Abgas, sondern auch den Kohlenmonoxid-Gehalt CO und die Stickoxide N0x. Bei 1000 ppm = 0,1% CO wird das Heizgerät stillg und ein roter Zettel hängt am Gerät. Kohlenmonoxid ist sehr giftig für uns Menschen. Es entsteht bei einer unvollständigen Verbrennung im Gerät. An dem ansteigenden ppm CO von Jahr zu Jahr erkennt man auch die notwendige Wartung des Gerätes.

Zur Wohnraumlüftung gibt es natürlich Lüftungsgeräte/ Raumlufttechnische Anlagen. Diese sind sehr teuer und haben einen hohen Wartungsaufwand. Ich empfehle es nicht. Die spezifische Wärmekapazität der Luft ist ungefähr 0,34 Wattstunden Wh pro m³ Luft um sie um 1 Grad Celsius oder Kelvin zu erwärmen. Um in einem Raum von 20 m² und 2,5 Höhe die Luft einmal zu erneuern braucht man bei 0 Grad Celsius Außentemperatur ca. 136 Wattstunden Wh, das sind 0,136 kWh Kilowattstunden (20 m³ Luft mal 20 Gard oder Kelvin Temperaturdifferenz mal 0,34 Wh/m³ K). Ein Liter Heizöl oder 1 m³ Erdgas hat 10 kWh an Energie. Eine Wärmepumpe braucht für 10 kWh Wärmeenergie zirka 3 kWh Strom. Diese Energiemenge rechtfertigt für mich nicht den Aufwand in einem normalen Familienhaus. In Hotels, Schulen und Versammlungsräumen ist das natürlich ganz anders. Hier rentiert sich eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung, aber nicht im Einfamilienhaus. Bei der Lüftung kommt es leicht zu Zugerscheinungen durch die höhere Luftbewegung.

Gruß Bernhard Becker aus Romrod

Internet: bernhard-becker.com